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Das TikTok-Verbot in den USA: Wie es ausgegangen ist

Sechs Jahre Streit, ein Gesetz, ein Urteil des Supreme Court, ein kurzer Blackout und vier Fristverlängerungen. Am Ende steht ein Joint Venture. Und für deutsche Unternehmen eine Lektion, die nichts mit den USA zu tun hat.

Aktualisiert im September 2026Lesezeit 7 MinutenAgentur Hauke
Das Wichtigste in Kürze
  • Das US-Gesetz von April 2024 zwang ByteDance zum Verkauf. Der Supreme Court bestätigte es im Januar 2025, TikTok war in den USA kurz offline.
  • Statt eines Verbots kam eine Reihe von Fristverlängerungen per Executive Order und am 23. Januar 2026 ein Joint Venture: ByteDance unter 20 Prozent, Oracle, Silver Lake und MGX je 15 Prozent.
  • Die App blieb erhalten, aber jahrelang war völlig offen, ob sie es würde. Genau das ist Plattformrisiko.
  • In Europa läuft ein eigenes Verfahren: Die EU-Kommission hat am 11. Februar 2026 vorläufig festgestellt, dass TikToks Design gegen den Digital Services Act verstößt.
  • Die Konsequenz für Unternehmen ist nicht, TikTok zu meiden. Sie ist, keinen Kanal so wichtig werden zu lassen, dass sein Ausfall wehtut.

Die Chronologie

Der Fall zieht sich über sechs Jahre und drei Regierungen. Wer nur die Schlagzeilen gesehen hat, hat vermutlich ein falsches Bild vom Ausgang.

  1. 1August 2020: Die erste Trump-Regierung erlässt Executive Orders gegen TikTok. Bundesgerichte stoppen sie mehrfach, weil die Befugnisse überschritten wurden. Die Biden-Regierung hebt sie im Juli 2021 auf.
  2. 2Februar 2023: TikTok wird auf US-Regierungsgeräten verboten, nicht auf privaten Smartphones.
  3. 3März 2024: Das Repräsentantenhaus verabschiedet H.R. 7521 mit 352 zu 65 Stimmen.
  4. 4April 2024: Der Senat stimmt mit 79 zu 18 zu, Präsident Biden unterzeichnet. Frist für einen Verkauf: 19. Januar 2025.
  5. 5Januar 2025: Der Supreme Court bestätigt das Gesetz. TikTok ist in den USA kurz vor der Frist tatsächlich nicht mehr erreichbar und kommt nach Zusicherungen zurück.
  6. 6Ab 20. Januar 2025: Vier Executive Orders schieben die Durchsetzung immer weiter hinaus, zuletzt im September 2025 bis Mitte Dezember 2025.
  7. 723. Januar 2026: Der Zusammenschluss zur TikTok USDS Joint Venture LLC wird vollzogen.

Was im Januar 2026 vereinbart wurde

Das US-Geschäft von TikTok liegt seither in einer eigenen Gesellschaft. Die Eigentümerstruktur sieht laut den veröffentlichten Angaben so aus:

  • ByteDance: unter 20 Prozent, genannt werden 19,9 Prozent.
  • Oracle, Silver Lake und MGX aus Abu Dhabi: je 15 Prozent, zusammen 45 Prozent.
  • Weitere Investoren, darunter das Family Office von Michael Dell und Susquehanna International: rund 35 Prozent.
  • Bewertung des US-Geschäfts: etwa 14 Milliarden US-Dollar, bestätigt von Vizepräsident JD Vance.

Technisch soll Oracle eine eigene US-Version des Empfehlungsalgorithmus nachbilden und absichern, lizenziert von ByteDance, und den Quellcode laufend prüfen. Die neue Gesellschaft trainiert und aktualisiert den Algorithmus mit US-Nutzerdaten. Für Nutzer ändert sich äußerlich wenig, eine neue App war nicht nötig, und die US-Version bleibt mit der globalen interoperabel.

Was ungeklärt bleibt

Der Deal ist politisch abgeschlossen, aber nicht unumstritten. Das Center for American Progress nennt mehrere offene Punkte, die auch für Außenstehende relevant sind.

  • Wie die drei Hauptinvestoren ausgewählt wurden, ist öffentlich nicht erklärt.
  • Die Bewertung von 14 Milliarden Dollar liegt deutlich unter gängigen Analystenschätzungen.
  • ByteDance verwaltet weiterhin Teile des Werbegeschäfts, was die Frage aufwirft, ob eine nach dem Gesetz unzulässige operative Verbindung fortbesteht.
  • Es gibt keinen Prüfmechanismus für die Einhaltung. Der Präsident bestätigt die Gesetzestreue im Wesentlichen selbst.

Warum das deutsche Unternehmen etwas angeht

In Deutschland droht kein TikTok-Verbot. Wer aus dem US-Fall die Lehre zieht, TikTok sei gefährlich, hat die falsche Lehre gezogen. Die richtige ist allgemeiner: Eine Plattform kann Ihnen aus Gründen wegbrechen, die mit Ihrer Arbeit nichts zu tun haben.

Und das ist nicht theoretisch

Auch in Europa steht TikTok unter Druck. Am 11. Februar 2026 hat die EU-Kommission vorläufig festgestellt, dass das Design der App gegen den Digital Services Act verstößt. Genannt werden endloses Scrollen, automatische Videowiedergabe, Push-Benachrichtigungen und das stark personalisierte Empfehlungssystem. Die Kommission verlangt, dass TikTok grundlegende Funktionen ändert oder abschaltet. Der DSA sieht Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.

Es ist nicht das erste Verfahren. Im Mai 2025 stellte die Kommission fest, dass TikToks Werbearchiv gegen den DSA verstößt. Und die Belohnungsfunktion von TikTok Lite wurde im August 2024 nach einem Verfahren dauerhaft aus der EU zurückgezogen. Eine Funktion kann also verschwinden, ohne dass ein Unternehmen etwas dagegen tun kann.

Wenn Ihre gesamte Reichweite auf einem Konto liegt, das Ihnen nicht gehört, haben Sie kein Marketing, sondern ein Klumpenrisiko.

Was wir Kunden sagen, bevor wir einen Kanal aufbauen

Was daraus konkret folgt

  1. 1Die eigene Website als Mittelpunkt behandeln. Sie gehört Ihnen, sie lässt sich umziehen, und niemand ändert dort über Nacht die Regeln. Jeder Kanal soll dorthin führen.
  2. 2E-Mail-Adressen sammeln, auch wenn es altmodisch wirkt. Ein Verteiler mit 800 Adressen aus der Region ist wertvoller als 8.000 Follower, weil Sie die Adressen mitnehmen können.
  3. 3Mindestens zwei Kanäle bespielen, mit demselben Material unterschiedlich geschnitten. In unseren Projekten sind das meist Instagram und Facebook, TikTok und LinkedIn kommen je nach Zielgruppe dazu.
  4. 4Bewerbungen und Anfragen über ein eigenes Formular auf der eigenen Seite aufnehmen, nicht über ein Plattformformular, dessen Daten dort liegen bleiben.
  5. 5Rohmaterial selbst archivieren. Videos, Fotos, Schnittdateien. Wer nur die veröffentlichten Clips in der App hat, verliert mit dem Konto auch das Archiv.
  6. 6Kontakte aus Direktnachrichten zeitnah in Ihr eigenes System überführen, statt sie im Posteingang der Plattform liegen zu lassen.

Was wir nicht empfehlen

Wir raten niemandem, TikTok aus politischen Gründen zu meiden. Die Plattform hat in Deutschland rund 27 Millionen monatliche Nutzer, und wer dort seine Zielgruppe erreicht, sollte das tun. Wir raten auch niemandem, aus Vorsicht fünf Kanäle gleichzeitig aufzubauen. Das überfordert die meisten Betriebe, und fünf schlecht gepflegte Kanäle sind schlechter als einer, der läuft.

Die Empfehlung ist nüchterner: Bauen Sie einen Kanal richtig auf, führen Sie von dort konsequent auf Ihre eigene Seite, und sammeln Sie dort Kontakte, die Ihnen auch dann bleiben, wenn die Plattform morgen andere Regeln macht. Der US-Fall hat sechs Jahre gedauert und ist gut ausgegangen. Beim nächsten Mal muss das nicht so sein.

Häufige Fragen

Nicht verboten. Seit dem 23. Januar 2026 liegt das US-Geschäft in einem Joint Venture, an dem ByteDance unter 20 Prozent hält und Oracle, Silver Lake und MGX je 15 Prozent. Das zugrunde liegende Gesetz von 2024 gilt allerdings weiter.

Wie groß ist Ihr Klumpenrisiko?

30 Minuten, kostenlos. Wir gehen durch, wo Ihre Reichweite, Ihre Kontakte und Ihre Inhalte liegen und was passieren würde, wenn ein Kanal morgen wegfällt.