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XING für Unternehmen: Lohnt sich das noch

Viele Betriebe zahlen seit Jahren für ein XING-Paket, das niemand mehr betreut. Was von der Plattform übrig ist, wem sie inzwischen gehört, für welche Zielgruppen sie noch etwas bringt und wie Sie vor der nächsten Verlängerung eine saubere Entscheidung treffen.

Aktualisiert im September 2026Lesezeit 7 MinutenAgentur Hauke
Das Wichtigste in Kürze
  • Übrig sind eine Jobbörse, ein Unternehmensprofil in zwei Varianten und Recruiter-Werkzeuge. Die Netzwerkfunktionen sind abgeschaltet.
  • Die New Work SE gehört seit dem Squeeze-out im Juni 2025 vollständig zu Burda Digital. Öffentliche Kennzahlen gibt es seitdem nicht mehr.
  • Bewerbungen kommen am ehesten in kaufmännischen Berufen und in der Verwaltung, und nur im deutschsprachigen Raum.
  • Behalten Sie das kostenlose Profil und pflegen Sie es. Es wird über Suchmaschinen weiterhin gefunden.
  • Zahlen Sie für XING nur, wenn Sie die Bewerbungen daraus konkret benennen können. Rechnen Sie das vor der nächsten Verlängerung durch.

Eine Frage, die fast immer zu spät gestellt wird

Viele mittelständische Unternehmen haben ein XING-Profil, das zwischen 2012 und 2018 angelegt wurde. Häufig läuft dazu ein kostenpflichtiges Paket, das seit Jahren automatisch verlängert wird. Betreut wird es selten. Die Frage, ob sich das noch lohnt, kommt meistens erst, wenn jemand im Controlling über die Rechnung stolpert.

Hier geht es nicht um den Vergleich mit LinkedIn, den haben wir an anderer Stelle gezogen. Hier geht es nur um XING: was von der Plattform übrig ist, wem sie gehört, für wen sie noch etwas bringt und was Sie konkret mit einem bestehenden Profil tun sollten.

Was heute noch auf der Plattform ist

XING hat sich seit 2023 konsequent zur Jobplattform umgebaut. Was geblieben ist, lässt sich gut überblicken.

  • Eine Jobbörse mit Stellenanzeigen, die laut Marktübersichten vom Juni 2026 als Listenpreis 899 Euro netto bei 60 Tagen Laufzeit kosten und auf Partnerbörsen mit ausgespielt werden.
  • Ein kostenloses Unternehmensprofil mit Logo, Beschreibung, einem Bereich für Produkte und Leistungen und der Möglichkeit, Neuigkeiten zu posten.
  • Ein kostenpflichtiges Employer-Branding-Profil mit Bildern, Videos, Analysewerkzeug und ohne Wettbewerberanzeigen. Laut einer Marktübersicht von workwise mit Stand Januar 2026 liegen die Preise je nach Mitarbeiterzahl zwischen 249 und 1.191 Euro im Monat, bei größeren Unternehmen auf Anfrage.
  • Werkzeuge für Recruiter, darunter eine KI-gestützte Suche und Unterstützung beim Formulieren von Kandidatenansprachen, ergänzt um hinterlegte Jobwünsche der Mitglieder.
  • Die Verknüpfung zu kununu, dem Arbeitgeberbewertungsportal aus demselben Konzern.

Wem XING gehört und warum das für Ihre Planung zählt

Die Muttergesellschaft New Work SE gehört inzwischen vollständig zu Burda Digital. Die Aktie wurde am 26. August 2024 von der Börse genommen, und im Juni 2025 beschloss die Hauptversammlung mit über 99 Prozent den Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung von 105,65 Euro je Aktie. Seitdem gibt es keine regelmäßigen öffentlichen Kennzahlen mehr.

Die letzten veröffentlichten Zahlen zeigen, warum umgebaut wurde.

Im Oktober 2025 berichteten Handelsblatt und Manager Magazin übereinstimmend, dass Burda den Verkauf von kununu für das erste Quartal 2026 vorbereitet, mit einem erwarteten Erlös in der Größenordnung von 500 Millionen Euro. XING selbst soll nach diesen Berichten im Konzern bleiben. Burda hat sich dazu öffentlich nicht geäußert.

Für Sie als Kunde heißt das: Die Plattform ist nicht vor dem Aus, aber sie befindet sich in einer Phase, in der Produkte gestrichen und Preise angepasst werden können, ohne dass Sie es aus Geschäftsberichten ablesen könnten. Wer heute ein mehrjähriges Paket zeichnet, trägt dieses Risiko selbst. Wir raten deshalb zu kurzen Laufzeiten.

Für wen XING noch eine Rolle spielt

Zielgruppen

Es gibt sie, und es ist keine große Gruppe. Aus unserer Arbeit mit Industrie, Pflege und öffentlichen Arbeitgebern sehen wir Bewerbungen über XING am ehesten in diesen Bereichen.

  • Kaufmännische Berufe und Verwaltung: Buchhaltung, Sachbearbeitung, Assistenz, Einkauf, Personal.
  • Positionen im mittleren Erfahrungsbereich, bei denen Menschen aktiv suchen und Stellenportale durchgehen.
  • Bewerber, die seit vielen Jahren ein gepflegtes XING-Profil haben und es als ihre berufliche Ablage nutzen, ohne LinkedIn zu verwenden.
  • Branchen mit starkem Regionalbezug und geringer internationaler Ausrichtung, in denen Arbeitgeber und Bewerber aus demselben Bundesland kommen.

Regionen

XING ist ein reines Angebot für den deutschsprachigen Raum. Wenn Sie im Ausland rekrutieren oder verkaufen, ist die Plattform ohne Nutzen. Innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wird sie noch gefunden, vor allem über Suchmaschinen: Ein XING-Unternehmensprofil taucht bei der Suche nach dem Firmennamen häufig weit oben auf. Das ist heute eines der besseren Argumente dafür, das kostenlose Profil gepflegt stehen zu lassen.

Was Sie mit einem bestehenden Profil tun sollten

Unsere Empfehlung ist weder löschen noch weitermachen wie bisher, sondern eine bewusste Entscheidung anhand von Zahlen, die Sie sich vor der nächsten Verlängerung besorgen.

  1. 1Vertrag heraussuchen und prüfen, was Sie jährlich zahlen, welche Laufzeit gilt und wann die nächste Kündigungsfrist endet. In vielen Betrieben weiß das niemand.
  2. 2In Ihrem Bewerbermanagement nachsehen, wie viele Bewerbungen in den vergangenen zwölf Monaten nachweislich über XING kamen. Wenn Sie das nicht erfassen, fangen Sie jetzt damit an und fragen Sie es im Erstgespräch ab.
  3. 3Die Kosten pro Bewerbung ausrechnen und mit Ihren anderen Kanälen vergleichen. Das ist eine einfache Division und sie beendet die Diskussion meistens.
  4. 4Das kostenlose Profil vollständig ausfüllen: aktuelles Logo, korrekte Beschreibung, erreichbarer Ansprechpartner, Link zur Karriereseite. Das kostet eine Stunde und wirkt auf jeden, der nach Ihnen sucht.
  5. 5Das kostenpflichtige Paket kündigen, wenn die Rechnung aus Schritt drei nicht aufgeht, und das frei werdende Budget in den Kanal stecken, der nachweislich liefert.
  6. 6In sechs Monaten prüfen, ob sich an der Bewerberlage etwas verändert hat. In den Fällen, die wir begleitet haben, war das nie der Fall.

Woran Sie erkennen, dass sich die Verlängerung nicht lohnt

  • Sie können keine einzige Einstellung der vergangenen zwei Jahre auf XING zurückführen.
  • Der letzte Beitrag auf Ihrem Profil ist älter als ein Jahr, und niemand im Haus fühlt sich dafür zuständig.
  • Ihre offenen Stellen sind gewerblich, in der Pflege unterhalb der Fachkraftebene oder im Handwerk. Diese Zielgruppen erreichen Sie dort nicht.
  • Sie rekrutieren international oder verkaufen außerhalb des deutschsprachigen Raums.
  • Das Paket kostet Sie mehr pro Jahr als zwei Stellenanzeigen auf einem Portal, das nachweislich Bewerbungen liefert.

Unsere Empfehlung in einem Satz

Behalten Sie das kostenlose Profil, halten Sie es aktuell, und zahlen Sie für XING nur dann, wenn Sie die Bewerbungen daraus benennen können. Eine Plattform, die ihre Netzwerkfunktionen abgeschaltet hat, ist für Arbeitgebermarke und Vertrieb kein Kanal mehr. Als Jobbörse kann sie in kaufmännischen Berufen funktionieren, und genau so sollten Sie sie behandeln: als eines von mehreren Stellenportalen, das Sie einzeln bewerten, statt als Präsenz, die man eben hat.

Wenn Sie das Budget frei bekommen, geht es meistens an dieselbe Stelle: in Inhalte, die Ihre Zielgruppe dort erreichen, wo sie tatsächlich unterwegs ist. Bei Fach- und Führungskräften ist das LinkedIn, bei gewerblichen Berufen und in der Pflege sind es Instagram, Facebook und TikTok.

Häufige Fragen

Rechnen Sie es einmal durch: Jahreskosten geteilt durch die Zahl der Bewerbungen, die nachweislich über XING kamen. Wenn Sie diese Zahl nicht nennen können, ist das bereits die Antwort. Kommt ein Betrag heraus, der über dem Ihrer anderen Kanäle liegt, kündigen Sie zur nächsten Möglichkeit und behalten das kostenlose Profil.

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