XING oder LinkedIn: Wo Sie heute noch aktiv sein sollten
Die alte Faustregel lautete: XING für Deutschland, LinkedIn für international. Sie stimmt nicht mehr. XING hat seit 2020 einen großen Teil seiner Netzwerkfunktionen abgeschaltet und ist heute eine Jobplattform. Was das für Ihre Entscheidung bedeutet, mit Zahlen und Daten.
- LinkedIn nennt über 31 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Die letzte öffentliche XING-Zahl stammt aus dem August 2024 und lag bei rund 22,5 Millionen.
- Entscheidend ist nicht der Abstand bei den Mitgliedern, sondern dass XING Gruppen, Eventmarkt und Timeline abgeschaltet hat. Ohne diese Funktionen entsteht keine Sichtbarkeit.
- XING gehört heute in dieselbe Kategorie wie Stepstone und Indeed: eine Jobbörse, auf der man Anzeigen schaltet.
- Wenn Sie sich entscheiden müssen, entscheiden Sie sich für LinkedIn. Die Präsenz dort kostet nichts, bei XING zahlen Sie eine monatliche Grundgebühr.
- Für gewerbliche Berufe, Pflegehilfskräfte und Handwerk taugt keine der beiden Plattformen. Dort zählen Instagram, Facebook und TikTok.
Die Frage stellt sich heute anders als vor drei Jahren
Lange lautete die Standardantwort in Deutschland: XING für den heimischen Markt, LinkedIn für international. Diese Antwort ist überholt. XING ist seit 2023 in einem grundlegenden Umbau, bei dem ein großer Teil dessen weggefallen ist, was die Plattform zu einem Netzwerk gemacht hat. Wer heute entscheidet, wo er Zeit und Budget investiert, sollte sich das ansehen, statt aus Gewohnheit beide Profile zu pflegen.
Wir betreuen Kanäle für Industrie, Handwerk, Pflege und öffentliche Arbeitgeber. In den vergangenen zwei Jahren haben wir für keinen einzigen Kunden einen XING-Aufbau empfohlen. Warum, steht hier, mit Zahlen und Daten.
Nutzerzahlen: was sich belegen lässt
Laut dem Pressebereich von LinkedIn hat die Plattform über 31 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum und über 1,3 Milliarden weltweit (Stand September 2026). Das ist eine Selbstauskunft, wie bei allen Plattformen, aber sie wird regelmäßig aktualisiert und ist nachprüfbar dokumentiert.
Bei XING ist die Lage komplizierter. Die letzte belastbare öffentliche Zahl stammt aus den Halbjahreszahlen 2024 der Muttergesellschaft New Work SE vom August 2024: rund 22,5 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum zum 30. Juni 2024. Danach hört die Spur auf. Die Aktie der New Work SE wurde am 26. August 2024 von der Börse genommen, und im Juni 2025 beschloss die Hauptversammlung den Squeeze-out der verbliebenen Aktionäre durch Burda Digital. Seitdem besteht keine Pflicht mehr, solche Kennzahlen zu veröffentlichen, und es geschieht auch nicht.
Funktionsumfang: Was XING abgeschaltet hat
Hier liegt der eigentliche Unterschied, und er ist gut dokumentiert. XING hat in den vergangenen Jahren systematisch die Funktionen entfernt, über die auf einer Plattform Austausch entsteht.
- XING Klartext, das journalistische Debattenformat, wurde bis Ende 2020 betrieben und dann eingestellt.
- Gruppen und Eventmarkt wurden am 11. August 2022 zur Abschaltung angekündigt und am 11. Januar 2023 abgeschaltet. Die Begründung des Unternehmens: Die Angebote unterstützten den neuen Fokus der Plattform nicht und bänden zu viele Ressourcen.
- XING Events, die frühere Ticketing-Plattform amiando, wurde 2023 geschlossen.
- Mit der Neuausrichtung 2024 fielen die Mitglieder-Timeline und die gruppenbasierte Interaktion weg. Die Navigation wurde auf die Jobsuche ausgerichtet, wie unter anderem Lexware Office im Dezember 2024 beschrieben hat.
Die Richtung war dabei nie ein Geheimnis. Die damalige Vorstandsvorsitzende der New Work SE hat sie mehrfach offen benannt.
Wir setzen den Umbau von Xing hin zum Jobs-Netzwerk mit voller Kraft fort und investieren weiter in unsere Strategie, der Recruiting-Partner Nummer eins für unsere Firmenkunden zu bleiben.
Petra von Strombeck, damalige Vorstandsvorsitzende der New Work SE, August 2023
Das Ergebnis ist konsequent: XING ist heute eine Jobplattform. Selbst die deutschsprachige Wikipedia führt den Eintrag inzwischen unter dem Klammerzusatz Job-Plattform statt wie früher unter soziales Netzwerk. Wer XING mit dem vergleicht, was LinkedIn tut, vergleicht zwei unterschiedliche Produktkategorien.
Recruiting: unterschiedliche Wege zum selben Ziel
Was XING kann
Als Jobbörse funktioniert XING. Eine Stellenanzeige kostet laut Marktübersichten im Juni 2026 als Listenpreis 899 Euro netto bei 60 Tagen Laufzeit, deutlich länger als bei vielen Wettbewerbern, und wird auf Partnerbörsen mit ausgespielt. Über Multiposting-Dienstleister ist dieselbe Anzeige nach deren Angaben oft günstiger zu haben. Für kaufmännische Positionen, Sachbearbeitung und Verwaltung im deutschsprachigen Raum ist das ein legitimer Kanal, ähnlich wie Stepstone oder Indeed.
Was LinkedIn kann
- Aktive Ansprache von Menschen, die nicht suchen. Das ist bei Fachkräften der Normalfall, und dafür braucht es ein lebendiges Profil mit Kontakten, nicht nur eine Anzeige.
- Sichtbarkeit über Monate hinweg, bevor eine Stelle überhaupt ausgeschrieben wird. Wer Ihr Unternehmen aus dem Feed kennt, bewirbt sich anders.
- Aussteuerung von Anzeigen nach Position, Funktion, Branche, Unternehmensgröße und Seniorität.
- Internationale Kandidaten, was bei technischen Berufen inzwischen häufig entscheidend ist.
Für beide Plattformen gilt dieselbe Einschränkung: Bei gewerblichen Berufen, Pflegehilfskräften und im klassischen Handwerk bringt keine von beiden viel. Diese Zielgruppen erreichen Sie über Instagram, Facebook und TikTok. Die Frage XING oder LinkedIn stellt sich dort gar nicht.
Kosten
- XING Employer-Branding-Profil: laut einer Marktübersicht von workwise mit Stand Januar 2026 zwischen 249 und 1.191 Euro im Monat, gestaffelt nach Mitarbeiterzahl. Für größere Unternehmen auf Anfrage.
- XING Stellenanzeige: 899 Euro netto Listenpreis für 60 Tage (Stand Juni 2026).
- LinkedIn Unternehmensseite: kostenlos, inklusive Auswertungen.
- LinkedIn Ads: laut den Auswertungen der Agentur ZweiDigital aus eigenen DACH-Kundenkonten im Schnitt rund 31 Euro CPM und etwa 5,75 Euro CPC (Stand September 2026). Teuer im Vergleich zu Meta, aber frei steuerbar nach oben und unten.
Der Unterschied ist strukturell. Bei XING zahlen Sie eine Grundgebühr dafür, dass Ihr Profil überhaupt ordentlich aussieht. Bei LinkedIn ist die Präsenz kostenlos, und Sie zahlen nur, wenn Sie Reichweite kaufen wollen. Für einen Betrieb, der ausprobieren möchte, ob ein Kanal trägt, ist das ein erheblicher Unterschied im Risiko.
Unsere Empfehlung
Wenn Sie sich für eine Plattform entscheiden müssen, und das müssen die meisten Mittelständler, dann LinkedIn. Der Abstand bei den Mitgliederzahlen ist das schwächere Argument. Das stärkere ist, dass XING die Funktionen abgeschafft hat, über die Sichtbarkeit entsteht. Auf einer Jobplattform können Sie eine Anzeige schalten. Sie können dort nicht bekannt werden.
Das heißt nicht, dass XING wertlos ist. Es heißt, dass es in eine andere Schublade gehört: neben Stepstone und Indeed, nicht neben LinkedIn. Wenn Ihr Recruiting über Stellenanzeigen funktioniert und Ihre Bewerber im deutschsprachigen Raum sitzen, kann eine XING-Anzeige eine sinnvolle Ergänzung sein. Als Kanal für Arbeitgebermarke oder B2B-Vertrieb ist die Plattform nach unserer Einschätzung erledigt.
- 1Prüfen Sie zuerst, ob eine der beiden Plattformen für Ihre Zielgruppe überhaupt relevant ist. Bei gewerblichen Berufen lautet die Antwort meist nein.
- 2Wenn ja: LinkedIn aufbauen, mit Unternehmensseite und drei bis fünf persönlichen Profilen aus Geschäftsführung, Vertrieb und Fachbereich.
- 3Das XING-Profil nicht löschen, sondern auf einen aktuellen Stand bringen und dort belassen. Es kostet nichts und wird noch gefunden.
- 4Bezahlte XING-Produkte nur dann verlängern, wenn Sie konkrete Bewerbungen daraus nachweisen können. Prüfen Sie das vor der nächsten Verlängerung.
- 5Nach sechs Monaten vergleichen, woher Bewerbungen und Anfragen tatsächlich kommen. Diese Frage gehört in jedes Bewerbungsgespräch.
Was konkret mit einem bestehenden XING-Profil passieren sollte, welche Zielgruppen und Regionen dort noch eine Rolle spielen und woran Sie erkennen, ob sich eine Verlängerung lohnt, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.
Häufige Fragen
Nein. Das kostenlose Profil verursacht keine Kosten und wird über Suchmaschinen weiterhin gefunden. Bringen Sie es einmal auf einen aktuellen Stand, hinterlegen Sie einen erreichbaren Ansprechpartner und lassen Sie es dann stehen. Was Sie prüfen sollten, sind laufende kostenpflichtige Pakete.
Am ehesten in kaufmännischen und administrativen Berufen im deutschsprachigen Raum, wo Bewerber aktiv nach Stellen suchen. Belastbare Zahlen, die eine Branchenüberlegenheit belegen würden, veröffentlicht XING nicht. Prüfen Sie es deshalb an Ihren eigenen Bewerbungen, statt sich auf allgemeine Aussagen zu verlassen.
Weil die meisten kursierenden Zahlen aus den Jahren 2022 bis 2024 stammen und seitdem nicht mehr aktualisiert wurden. Nach dem Börsenrückzug der New Work SE im August 2024 und der vollständigen Übernahme durch Burda Digital gibt es keine regelmäßige Veröffentlichung mehr. Seien Sie misstrauisch bei jeder XING-Zahl ohne Datum.
An der Grundrichtung nichts. Beide Anbieter veröffentlichen keine aktuellen, vergleichbaren Zahlen je Land, deshalb sollten Sie sich auf keine der kursierenden Länderzahlen stützen. Machen Sie stattdessen die Stichprobe in Ihrer eigenen Zielgruppe und entscheiden Sie danach.
Die Kontakte bleiben, nur der Kanal, über den Sie sie erreichen konnten, ist weitgehend weg. Ohne Timeline und Gruppen gibt es keinen Ort mehr, an dem Sie regelmäßig vor diesen Menschen auftauchen. Der praktische Weg ist, die wichtigsten dieser Kontakte auf LinkedIn erneut aufzubauen.
Premium lohnt sich erst, wenn jemand im Haus regelmäßig aktiv Menschen anschreibt. Der Recruiter ist ein Werkzeug für laufende Direktansprache und rechnet sich bei einzelnen Vakanzen selten. Fangen Sie kostenlos an und rüsten Sie auf, wenn Sie an Grenzen stoßen.
Welche Plattform passt zu Ihrer Zielgruppe?
30 Minuten, kostenlos. Wir schauen uns an, wen Sie erreichen wollen, und sagen Ihnen ehrlich, welcher Kanal dafür taugt. Auch dann, wenn die Antwort weder XING noch LinkedIn heißt.